Neue Wohnarchitektur und zukunfts-
fähiges Bauen auf den Terrassen

Beitrag Matthias Rüger, 11.03.2005

 

 

 

 


Wenn wir uns mit den Entwicklungsmöglichkeiten der Terrassen auseinandersetzen wollen, sollten wir uns neben den Besonderheiten des Topos auch besonders der Frage zuwenden, für wen wir hier in Göttingen planen und bauen. Ich bin beeindruckt von Veröffentlichungen städtischer Wohnquartiere, in denen es gelingt, mehr als nur im Einzelobjekt anspruchsvolle Architektur zu verwirklichen - wie gerade in Weimar "am Horn".

 

 

 

3 Thesen:

 

- A. es liegt am Können der Architekten

- B. es liegt am Bauherrn-Käufer-Bewohner

- C. es liegt an beidem nicht, die Beispiele treffen nicht zu.

 

 

 

A: Veröffentlichungsfähige Architekturen gibt es bei uns auch.

 

B: Sicher eine Kernfrage. Es gibt Bauherrn-Käufer-Bewohner, deren Wohnwünsche abweichen vom Bauträgermainstream. Schauen wir uns in und um Göttingen um, so bekommen wir sehr schnell eine Einschätzung darüber, wieviele es sind.

Ganz wenige. Wir finden sie vereinzelt in den Einfamilienhausgebieten des Umlandes, auch als Käufer von Reihenhäusern, besonders gern aber in den gewachsenen Wohnquartieren der Stadt.

Die große Mehrzahl jedoch gehört wohl eher zu der Gruppe, die sich von anderen Bildern leiten lassen.

Die Annahme, man könne das Geschmacksbild künftiger Bewohner durch die Fokussierung auf eine vorwiegend akademische Mittelschicht positiv eingrenzen, scheint mir leider Wunschdenken zu sein.

Hochschulstudium schützt nicht vor schlechtem Geschmack. Derjenige aus dieser Gruppe, der willens ist, in der Alltagskultur seines Wohnumfeldes einen Spiegel seines intellektuellen Vermögens zu sehen, ist in starker Minderheit. Die Bereitschaft, mehr als das unbedingte Minimum für das Hausbauen zu investieren, ist fast genauso selten. Und machen wir uns nichts vor:

das gestaltete Bauen mit architektonischem Anspruch ist aufwändiger als das Satteldachhaus von der Stange.

 

C: Insofern treffen die Beispiele nur sehr bedingt zu.

 

 

 

Wenn es sich nicht um seltene Glücksfälle handelt – schauen Sie sich die in den Archtitekturzeitschriften besungenen „intelligenten“ Hausgruppen an: in wenigen Jahren sind sie von ihren Bewohnern mit dem Zierrat aus dem Baumarkt individualisiert.

Und: es gibt sie immer noch: optimistisch auf Vorrat gebaute veröffentlichungswürdige Reihenhauszeilen und Wohnhäuser, die keine Käufer finden. Nicht weil sie schlecht sind. Im Gegenteil: Sie sind architektonisch anspruchsvoll, aber sie bieten nicht die gesuchte Heimeligkeit und sie sind zu teuer.

 

 

 

Ich schließe daraus:

 

1. die Fokussierung auf eine bestimmte Bevölkerungsklientel läuft fehl.

2. jedes konfektionierte Hausangebot muss sich auf dem Markt dem wirtschaftlichen Vergleich mit jedem noch so ungeliebten 0815-Haus auf der Wiese messen lassen.

3. schon beim ersten konzeptionellen Denkansatz ist das enorme Kostengefälle zwischen Grundstücken im Stadtgebiet und im Umland in´s Kalkül zu ziehen

 

 

 

Wir haben mit der GÖTTINGER ARCHITEKTEN WERKSTATT  in den letzten Jahren umfangreiche Erfahrung gesammelt mit Reihenhäusern im KIESSEEKARREE. Wirtschaftlich noch konkurrenzfähig, boten sie ein hohes Maß an Beeinflussungsmöglichkeit durch den Käufer innerhalb eines vorgegebenen Formen-, Material- und Farbkanons.

 

Hier ist es gelungen, das Bedürfnis an Individualisierung ansatzweise zu kanalisieren, zu Gunsten der Bewahrung einer architektonischen Gesamtaussage, der Schaffung einer Quartiersidentität.

 

 

 

Wir denken, dass ein verwandtes Angebot auch hier auf den TERRASSEN interessant ist:

 

- schmale Einzelgrundstücke, um den Kostendruck zu reduzieren.

- familientaugliche Grundrisse. Einfach. Schnörkellos.Sie können sagen; banal.

- Eine Fassadenarchitektur, die die Individualisierung zulässt: ein Kanon an  Fensterformaten und farbigen Elementen: Türen, Fenster, Fensterläden und Fassadenteile

- Dachform: vorzugsweise ein Pultdach mit Dachterrasse talwärts. Aber Vorsicht: Jedes Satteldach mit Spitzboden ist kostengünstiger und bietet mehr Fläche...

 

 

 

Abschließend ein Wort zu den Terrassen: 

 

1.- gut, dass ZIETEN aus dem Namen verschwindet. Ich sehe mich einig mit denen, die dies seit Jahren so sehen.

2.- dass die martialische Gebärde der alten Kaserneneingänge verschwunden ist, ist gut.

3.- lassen Sie uns darüber nachdenken, ob nicht der problematische Bereich mit den alten Kasernen auch abgerissen werden sollte: denn erst dann entsteht das, wovon wir träumen und worin wir eine Chance für das Gebiet sehen:

 

 

 

TERRASSEN ÜBER DER STADT GÖTTINGEN.